Creixell Allioli-Fest

Immer am Sonntag zwischen dem 11. und 17. Mai wabert dichter Knoblauchduft durch einen kleinen Hain am Rande des Dörfchens Creixell. Denn in diesem Ortsteil Borrassàs findet alljährlich der internationale Allioli-Wettbewerb statt – Anlass für Kataloniens Allioli-Experten hierher zu pilgern. Ob aus Barcelona, Figueres, Palafrugell oder Girona: alle kommen, um die beste Knoblauchcreme des Jahres zu küren. Selbst Teilnehmer aus dem benachbarten Frankreich wurden schon gesichtet.

Die bis an die Haarspitzen motivierten Teilnehmer haben dreißig Minuten Zeit, um unter der Aufsicht einer hochrangigen Jury die Knoblauchzehen in einem Mörser sehr fein zu zerreiben und mit einem hauchdünnen Olivenölstrahl zu verrühren, bis die cremige Masse die gewünschte Konsistenz erreicht. Dabei gilt es aufzupassen, dass nicht zu viel oder zu schnell Öl zugesetzt wird, weil sich ansonsten die Bestandteile trennen und die Allioli gerinnt.

Das Originalrezept besteht lediglich aus Knoblauch, Olivenöl und Salz. Die Zugabe von Eigelb oder Milch als Emulgator ist unter den Fachleuten absolut verpönt. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten, den strengen Geschmack der in Katalonien beliebten Vorspeise zu verfeinern.

Die zum Teil in katalanischer Tracht gekleideten Teilnehmer stellen die Allioli in sehr interessanten Geschmacksrichtungen her. Hier habe wir erstmals eine Honig-Allioli kennen gelernt. Aber auch Zitrone, Kräutermischungen, Steinpilze, Bratapfel, Tomate oder Rote-Beete-Saft dienen den Wettstreitern, um der Konkurrenz eine Nasen- bzw. Zungenspitze voraus zu sein.

Neben bereits etablierten Allioli-Stars und Fernsehköchen trifft man hier auch auf den jugendlichen Nachwuchs. Das beruhigt uns sehr, denn wir wollen noch viele Jahre an der „Fira i festa de l’allioli“ teilnehmen.

Langsam neigen sich die dreißig Minuten dem Ende zu und sowohl das Rühren, als auch der Knoblauchduft werden immer intensiver. Die Regionalpresse beginnt mit den ersten Interviews und einige Protagonisten widmen sich bereits der Verzierung Ihres Kunstwerks, denn neben den Preisen für den Geschmack, die Qualität, der Menge sowie der Konsistenz wird auch die originellste Allioli prämiert. Für die surrealistischste Knoblauchcreme spenden die Freunde des Dali-Museums in Figueres eine Belohnung.

Die achtköpfige Jury besteht aus Restaurantkritikern, einem Redakteur eines Feinschmeckermagazins, Gastronomen und anderen lokalen Prominenten. Sie lassen sich sehr viel Zeit, ehe die Pokale, Geld- und Sachpreise an die Sieger überreicht werden.

Leider gehen einige der mehr als zwanzig Teilnehmer trotz hervorragender Allioli leer aus.

Jetzt kommt die große Zeit der Besucher. Wer möchte, kann die eine oder andere Knoblauchcreme kosten. Wer Beziehungen hat oder mit einem sympathischen Lächeln besticht, darf auch eine überschaubare Menge mit nach Hause nehmen.

Schon während der Fiesta werden auf riesigen Grills Botifarras (eine würzige grobe Bratwurst) und Hähnchenschenkel gegrillt. Die Dorffrauen richten jede Menge Salate an. Wer bereits im April bei der Apotheke in Borrassà ein Ticket für das Grillessen reserviert hat, ist nun auf der sicheren Seite. Nur wer so früh bestellte, darf nun an den langen Tafeln Platz nehmen, um bei Essen und Wein die Entscheidungen des Tages zu reflektieren.

Wir haben in diesem Jahr leider nicht reserviert und müssen den Heimweg ins zwanzig Kilometer entfernte Ampuriabrava antreten. Allerdings haben wir eine ordentliche Portion frischer Allioli ergattern können, die wir auf unserem Balkon mit knusprigem Baguette verspeisen. Der Blick auf den Kanal und die vorbei gleitenden Boote entschädigt uns dann doch reichlich für die entgangenen Grillspezialitäten aus Creixell.